Samstag, 3. August 2013

Das Traden

Ich versuche noch immer, auf verschiedenen Wegen, neue Einnahmequellen zu finden. Vor einem Jahr hatte ich eine Möglichkeit gefunden, mit der ich mich nun seitdem beschäftige: das Traden. Es ist wie ein Spiel und scheint so leicht zu sein: Entweder setzt man auf steigend oder auf fallend. Mehr nicht. Zumindest glaubt man das am Anfang. Doch weit gefehlt!

Es ist ein Spiel, das jedem sofort zeigt, was für Einstellungen und was für einen Charakter man hat. Es hat insofern durchaus etwas Höllisches, weil es so unglaublich ehrlich ist. Sehr viele Eigenschaften, die man im Leben entwickelt hat, treten klar hervor.

Nun möchte ich hier allerdings nicht über die verschiedenen Broker schreiben. Und noch weniger über die verschiedenen Systeme und Plattformen. Denn es gibt im Netz genügend Materialien, die von Leuten geschrieben sind, die viel mehr davon wissen.

Nur eines möchte ich doch anmerken: Mein Vorbild auf diesem Gebiet ist Birger Schäfermeier.

Ich habe ihn im Netz und bei einem Webinar kennengelernt. Er ist ein ganz normaler Mensch. Und was ich besonders positiv finde: Obwohl er das Traden schon mehr als 20 Jahre betreibt, gibt er offen zu, auch Verluste und Fehler zu machen. Er scheint alles zu wissen und hat viele Krisen an der Börse erlebt – und trotzdem macht auch er Verluste. Viel entscheidender ist das Folgende: Er macht mehr Gewinne als Verluste. Und nur darauf kommt es an.

Nun sind wir aber auch bereits beim ersten Problem angekommen: Ich hätte nie geglaubt, wie schwer es ist, Verluste hinzunehmen. Man möchte doch ein Gewinner sein. Leider ist es aber an der Börse völlig normal, Verluste zu erleiden.

Doch zwischen dem Wissen und dem Handeln danach klafft eine gewaltige Kluft. An der Börse geht es um Geld. Um Ihr Geld. Da liegt das Problem. Niemand verliert gerne Geld; und dabei ist es völlig egal, ob es nur um einen Euro oder um 100 Euro geht. Auch wenn jeder weiß, dass man nur aus Fehlern recht sicher lernt, bleibt der Verlust doch erst einmal immer schockierend. Der nächste Punkt, den ich ansprechen möchte, ist die Zeit. Oft sind es nur wenige Minuten, in denen Gewinne oder Verluste entstehen. (Ich schreibe hier natürlich über das Daytraiding und spreche nicht von Aktien, die lange gehalten werden sollen.) Es kann sehr zermürbend sein, auf die Kurse zu schauen, wenn einfach nichts passiert.

Man sucht eine große Bewegung und sieht – nichts. Es passiert einfach nichts. Wer an der Börse ‚spielen‘ möchte, braucht Ausdauer. Und ruhig sowie geduldig zu bleiben, wenn es um das eigene Geld geht, fällt vielen schwer.

Noch schwieriger wird es, zu lernen, dass Erwartungshaltungen nicht weiterhelfen: „Der Euro und der US-Dollar müssen doch fallen. Das sagen doch alle.“ Falsch! Was alle sagen und was man erwartet – das alles hat nichts (und ich betone: nichts) mit der Börse zu tun.

Der Forex-Markt ist einfach zu groß und kaum einzuschätzen. – Aber gerade darin liegt nicht nur das Risiko, sondern auch der Reiz, wenn man an der Börse sein Geld vermehren will. Wäre das anders, würde es sie gar nicht geben.

Es treffen sich immer zwei Gegenspieler. Die einen, die kaufen, und die anderen, die verkaufen. Nur so geht der Markt. Fehlt einer der beiden, passiert gar nichts. Was nützen Käufer, wenn nichts zum Verkaufen da ist? Was nützen Verkäufer, wenn niemand da ist, der ihre Produkte kauft? Es ist genau wie auf dem richtigen Markt auf der Straße.

Nun komme ich zu dem Punkt, bei dem es aus meiner Sicht am schwierigsten wird: Es geht um die Frage der Disziplin. „Ja, natürlich“, sagen viele, „da habe ich keine Schwäche.“ Schließlich hätten sie schon in der Schule gelernt, diszipliniert zu sein.

Aber gerade um diese Disziplin geht es nicht. Dort wurde man immer von anderen überwacht und betreut. Es geht vielmehr um die Selbstdisziplin, die keiner überwacht – und wo es keine eher folgenlosen Strafen gibt. Denn an der Börse heißt die Strafe Verlust. Verlust des eigenen Geldes!

„Da passe ich doch erst recht auf!“, sagen die meisten. Von wegen! Ich gebe es ehrlich zu: Das ist meine größte Schwäche. Ich beobachtete den ganzen Tag kleine Verluste. Auch am Abend zeichnete sich weiterhin ein klarer Abwärtstrend ab. „Da muss doch bald eine Aufwärtsbewegung kommen, und da muss ich doch eine große Position eröffnen, um meine Verluste auszugleichen.“ Falsch gedacht! Aus meinen kleinen Verlusten wurden noch größere Verluste.

Der Plan war leicht: Kleine Gewinne, aber auch nur kleine Verluste. Und an diesen Plan habe ich mich selbst nicht gehalten. Es gibt Tage, an denen es egal zu sein scheint, was ich mache – es geht einfach alles in die falsche Richtung. Egal, was ich tue, es führt nur zu Verlusten. Dann die Nerven zu haben, weiter mit kleinen Positionen zu handeln und einfach abzuwarten, ist sehr, sehr schwer. Da hat man so ein schönes System, das auch schon funktioniert hat, und doch hält man sich nicht daran! Wer mit dem Ziel an die Börse geht, in einer Woche oder in einem Monat eine bestimmte Summe zu erzielen, hat meistens schon verloren. Man muss lernen, Gewinne und Verluste auf lange Sicht zu sehen. Dann kommen auch kleine Gewinne. Erst wenn der Monat/das Jahr vorbei ist, sieht man wirklich, wie es gelaufen ist. Entweder habe ich Gewinn gemacht – oder nicht.

 

Wie Ihr seht, ist die Börse zwar verlockend, aber man braucht auch viel Erfahrung und eine passende Einstellung. Es ist eine sehr gute Möglichkeit, sich zu trainieren, und man lernt, über sein Geld (und wie wir es verdienen) nachzudenken. Die Börse ist allgemein ein sehr guter Lehrmeister für die Emotionen, für die Ausdauer und für viele andere Bereiche des Lebens.

 

Mein kleines Fazit nach einem Jahr, in dem ich viel ausprobiert und gelernt habe, ist schnell gezogen: 1000 Euro Verlust. Aber ich mache weiter und werde Euch auch weiterhin berichten. Das Geld ist nicht weg. Es hat nur ein anderer. Es sei ihr oder ihm gegönnt.